Simones Reiseschnipsel

It's me – Wanderlust (VII)

vom
21.6.23

Hiker Biker werden ist nicht schwer...

Weiterhin radeln wir. Das letzte Mal berichtete ich aus Idaho. Inzwischen haben wir Montana passiert und fahren weiter und weiter in Wyoming. So weit wir mit der Zeit kommen. Oder solange es Freude macht. So machen das Bike Packers, Hiker Biker, Bicycle Travellers oder wie auch immer sie sich nennen oder genannt werden. Bis vor kurzem hat sich Simone wenig um diese Labels gekümmert. Sie meint, wir sind einfach wanderlustig.

Seit wir mit «No Reservation» auf Risiko in den Yellowstone National Park Richtung Madison Campground fuhren, weil alles auf Tage ausgebucht, hat sich das geändert. Natürlich war der Madison «full». Natürlich fragte Simone sehr freundlich, ob nicht doch? Freundlich wurden wir informiert, dass im Nationalpark die «Rule» gelte,«No-Push-Back for Hiker Biker». Seit dann ist Simone eine Hiker Bikerin. Gut, da gäbe es Plan B. Aber «Back» gibt es für sie nur in Not. Dann lieber Plan C: «Carry on».

Dorn im Reifen

Aber auch für Hiker Biker geht es nicht immer weiter: Wegen Pausen, Halbpausen, «Gates», Regen und Kälte, Sightseeing, Bisons und anderen Viechern und Pannen auf dem Weg. Bis zum Madison fuhren wir unsere Morgenmeilen. Dann Zelt aufstellen, am Nachmittag Meilen für Sightseeing im Nationalpark, bis nach Old Faithfull und wieder zurück zum Madison. Nur, am Ende des Tages hinten mit flachem Reifen. Simone stehend pedalend, ihr Gewicht so leicht wie möglich und nach vorne geneigt. Jetzt verstehe auch ich, was ein Hiker Biker ist. Gar nicht mein Liebling!
Glück für Simone, dass sie unter Anleitung den zweiten «Flat» an mir reparieren konnte. Dank YouTube? Hier im Outside? No way! WIFI oder Netz brauchen nur die «Zivilisierten». Wölfe, Bären, Bisons und Steven, der Zeltnachbar, ein echter Hiker Biker, nicht. Kundig und «straight», verpasste er Simone eine Lektion in Platten flicken.

Ich habe mich gewundert, wie aufmerksam und still Stevens Anweisungen folgte. Dreimal musste sie einen Handgriff wiederholen, wenn es darum ging, das Hinterrad aus der Achse zu heben. Beim Mantel in den Reifen drücken, meinte er, wenn schon keine Kraft, dann bitte mit Technik. Einmal fragte sie, ob es etwas langsamer ginge. Das müsse schnell gehen: «In der Regel wirst du in diesen Situationen mit viel Verkehr am Strassenrand, im Regen und am Berg stehen. Dann hast du keinen Tisch und Lehrmeister zur Verfügung. Auch deine Dok-Föteli werden im Nirvana deiner iCloud liegen. Wichtig ist, dass du schnell einen neuen Mantel kaufst. Vielleicht bekommst du einen in Cody, das sind zwei Fahrtage. Schau in dir genau an. Der ist so dünn, dass der nächste Dorn ebenso sitzen wird und dir die Luft nimmt. Und jetzt geh essen, bevor der Regen und die Dunkelheit kommen!

Wege denken, Wege gehen

Nach einem solchen Tagen sind wir noch müder, aber sehr erleichtert und wieder guten Mutes. Dass wir auch eine Bisonherde, einen Grauwolf, Elche, Hot Springs und Geysire gesehen haben, schon fast nebensächlich. Simones Höhepunkt vom Tag war Birgit Zimmermann, radelnd auf der Gegenspur bei Old Faithfull. Die deutsche «TransAM» Racerin mit ihren blonden langen Haaren und mit ihrem Gepäck, das auch in der Not was bietet. Unverkennbar und munter auf den letzten Plätzen unterwegs. «Hey! Hi! Hallo! Viel Glück, Glück, Glück!» Und Simones geballte Faust dreimal in die Höhe. Ab und zu kann sie sehr emotional. Sie meinte, dass wir an unserem letzten Tag auf dem Transamerica Bicycle Trail noch Birgit Zimmermann getroffen hätten, sei einfach grossartig!

Nun fühle sich der Weg rund und abgeschlossen an. Denn ab morgen verlassen wir diesen Trail und fahren  nach Osten, dem «Parks, Peaks and Prairies Trail» folgend. Warum? Dazu kann ich wenig berichten. Seit dem Gespräch mit Jeff von der Adventure Cycling Association in Missoula, fährt diese Route als Alternative und Fortsetzung in ihrem Kopf mit.
Mir gefällt's, wenn es Simone gefällt. Heute sind wir schon den ersten Pass gefahren. Das wäre bis jetzt der schönste gewesen. Nicht nur, weil das Steigen sich easy anfühlte. Ein bisschen wie in der Schweiz sei es da oben, nur grosszügiger. Und was uns danach erwartete? Sehr «Wild West»!

See you!