Simones Reiseschnipsel

Was ist und was bleibt

vom
14.10.23


Wie wirken Landschaften einer Reise in der Erinnerung nach?


Es ist die Ferne, die am Anfang einer Landschaft steht. Fahre ich mit meinem Rad von einer zur anderen, erfahre ich sie. Vermeintlich mit allen Sinnen. Und ich möchte verstehen, was war und was bleibt.


Es ist das Stehen, das eine Landschaft hörbar macht - das Anhalten, Innehalten, mich ruhig verhalten. Dann erhalten Wind, Wasser, Bäume und die vielen unsichtbaren Tiere eine Stimme. Beim Fahren mischt sich das Treten, Atmen und Rollen ein.


Das Licht gibt mir Orientierung, woher ich komme, in welche Richtung ich gehe. Und wenn das Licht die Landschaft lebendig macht, ist es ein Spiel, das aus Zeit und Veränderung besteht. Es gestaltet Hügel, Berge und Weiten in einen Körper, der sich bewegt. Das Licht verspricht, dass jeder Moment flüchtig und einmalig ist.


Und wenn mich Düfte einer Landschaft begleiten, tun sie dies meist unbemerkt. Ich nehme sie wahr, wenn sie Sehen und Denken unterbrechen. Ich suche nach Zuordnung, woher ein Duft kommt, bevor ich meinen Atem wieder öffne.


Ertaste ich eine Landschaft, ist es das Erfahren der Topografie, die mir Widerstand oder Freiraum zum Klimmen oder Rollen gibt. Zwischen den Landschaften liegen meist Pässe, oft andere Welten. Stehe und ruhe ich auf der Scheide, beruhigt sich mein Puls. Und dieser Punkt Erde ist dann mehr als eine Zahl oder ein Höhengefühl. Meine Füsse fühlen sich fest wie Erde und mein Kopf leicht wie Luft.


Fahre ich Tag für Tag, weit und weiter, durch die Landschaft, fährt die Landschaft ebenso durch mich. Sie gibt Raum, wärmt und kühlt, sie nimmt mich auf und gibt mich frei. Sie bildet ein Netz von Sinnesspuren, das sich nachts in meine Träume webt.


Es ist diese Nähe, die am Ende einer Landschaft steht. Die mir erzählt, was ist und meint, was trennt oder eint. Und es sind die Menschen, die ihre Landschaft kennen und lieben, die Heimat ist. 

Und, es sind die Begegnungen mit Menschen, die meine Reise durch Landschaften runden. Ich begreife, dass ich nur in kleinen Teilen ein Land erfahren kann. Aber Erlebtes gelebt ist und in Erinnerung, bei mir bleibt.